Sommer auf dem Balkon
Morgens 8 Uhr. Es wird ein sonniger Tag. Ich zeige mich schon mal. Die Balkonblumen nicken beifällig, erröten, entblättert. Es ist eben KEIN Exhibitionismus. Es ist ein inneres Erlebnis, ein Versuch über das Leben. Plus, das Geschenk an alle anderen, WENN man es annehmen kann. Handke ist ehrlich gesagt ein Scheiß gegen mich. Dann Klingeln, Klopfen. Normalerweise lasse ich mich verleugnen, diverse Scherzartikel bewachen meine Tür, Dekoration aus Silberfolie, alles für diese Narren. Aber heute bin ich in "Stimmung". Betont ruhig öffne ich, das ärgert sie am meisten. Sofort der Ansturm der Kleingeistigkeit. Was das soll, um diese Zeit, Kinder, Pipapo. Ich, genüsslich, gebe den Ahnungslosen, was WAS soll? Es geht weiter: Keiner könne mehr auf den Balkon, Tag und Nacht, "frivol" (oho, Fremdwörter...) Leider lasse ich mich jetzt doch hinreißen, bin "getriggert": frivol, frivol, jetzt im Nachäff-Modus, überhaupt, BLÜTEN SIND AUCH GENITALIEN, okay, ich hätte das nicht hinterherbrüllen müssen durchs ganze Treppenhaus, STEMPEL, NARBE, STAUBGEFÄẞE, ich höre noch "Nachspiel" ja genau VORSPIEL es ist die reine Projektion, traut euch doch, ihr Spießer. Ich kehre auf den Söller zurück im malvenfarbenen Ornament und löcke wider den Stachel -- meinen Stachel.
Grillen auf dem Balkon -- die Gerichte haben es erlaubt, also erlaube ich mir ein Gericht 😅. Für mich muss es altmodisch sein. Die Verbindung mit dem Urmenschentum. Feuer, Rauch. Gerne auch "ein" Bier, zum Löschen ("innere Anwendung"). Dieser Tage passt die Fußballreportage, ja, ich weiß, die "Nationalmannschaft" eher eine "Internationalmannschaft" 🥴, was will man machen. Edle Einfalt, stille Größe, das Herz will, was es will, und ich will eben in einem malvenfarbenen Negligee auf MEINEM Balkon grillen und mich bei jedem Tor freuen wie ein Kind. Ja, auch mit Lautäußerungen. Ich bin auch nur ein Mensch. Verklagt mich doch (wieder). Dieses verkniffene Bestehen auf "Hausordnung", "Gesetze"...wo bleibt die Toleranz von denen, die immer lauthals Toleranz fordern? Wenn es EINMAL wirklich "bunt" wird in der Nachbarschaft. Wahrscheinlich habe ich irgendwelche seltenen Nachtfalter verschreckt mit meiner unschuldigen Freude. Herrgott, ich WEIẞ dass es halbdrei ist und JA, die Freude am Körper gehörte schon bei den alten Griechen zum Sport. Jetzt wieder Polizei, ne? POLIZEI OSTEREI. Sonst imner dagegen, aber dann soll es PAPA STAAT richten. NEIN, ich mache das nicht LEISER. Ich weigere mich, mein Leben LEISER zu machen!!!
Sehr geehrte TRUMWOBAU,
mit Erstaunen habe ich Ihr Schreiben vom 16. dieses Monats zur Kenntnis genommen. Ich will gleich zum Punkt kommen: Masturbation ist ein Menschenrecht PUNKT. Wie und ob Sie es "sich machen", das werden Sie mit Recht sagen, geht mich nichts an. Eben! Bzw gleiches Recht für alle, eben auch für die Parteien, die sich da beschwert haben sollen. Ich weiß schon, wer das ist. Wenn Familie "Saubermann" so sehr am guten Wohnklima gelegen ist, fordere ich hiermit Frau S. auf, nicht immer bei der Ausübung der ehelichen Pflichten den ganzen Hof vollzujodeln, Sektlaune hin oder her. Die nuttigen Teilchen, die sie dabei zu tragen beliebt, finde ich geschmacklos, aber bitte, MICH ZWINGT JA KEINER, ebensowenig wie Frau "Saumann" jemand zwingt, mir zuzusehen, wenn ich mich auf dem Balkon, der mir nach geltender Rechtsprechung eindeutig als Teil der Wohnsache überlassen ist (das entsprechende Urteil des Landgerichts Gütersloh sollte Ihnen bekannt sein!) mich mit Brennnesseljauche prickelnd übergieße im Kreise meiner Blumen, um eben das Nichts von Höschen und die reich verzierte Unterbrustangelegenheit klatschnass zu spüren und GOTTJA vielleicht auch einen wohligen Laut auszustoßen. "Ejakulat", wie Frau S. mit spitzen Fingern schreibt, gelangt dabei keines auf ihren Balkon, ich bin, wie gesagt, bekleidet (Beweisstücke liegen vor). Der Anfertigung irgendwelcher Protokolle durch Familie Sudelmann widerspreche ich auf meinem Balkon ausdrücklich (Europ Dat Sch Ges!). Dass gegenüber jetzt noch mehr altenative Energien mit riesigen "Kollektoren" gefördert werden, muss auch nicht sein. Bitte schreiben Sie mich nie wieder an. Ich habe das Unrechtsregime durchlebt und brauche keinen SOZIALISMUS 2.0 von Ihnen und ihren willigen Helfern wie Familie Stasimann.
MIT VORZÜGLICHER HOCHACHTUNG